Samstag, 21. Mai 2016

Fat acceptance?

Kennt ihr das:
Ihr steht an der Kasse im Supermarkt und fragt euch, wie ihr euch so quetschen könnt, dass ihr an die Sachen im Einkaufswagen herankommt, um sie aufs Band zu legen? (An dieser Stelle muss ich übrigens Lidl negativ erwähnen: eure Einkaufswagen sind besonders tief, damit möglichst viel reinpasst und der Wagen trotzdem nicht voll aussieht - aber man muss sich tief bücken, um die Ware herauszuheben. Mein Edeka ist da rückenfreundlicher.)
Ich hatte echt immer das Gefühl, ich brauche Krakenarme. Einkaufswagen, mein Bauch und der Rest von mir - das passte nie nebeneinander. Früher fand ich, man solle doch gefälligst den Kassendurchgang breiter machen. Heute sehe ich das anders
Das ist jetzt nur ein Beispiel von vielen.


Ich glaube, in den USA ist das teilweise anders. Die sind dort viel mehr für Dicke eingerichtet, wahrscheinlich weil sie noch mehr davon haben als wir hier. Auch Klamotten bekommt man dort viel leichter und auch modischer und schicker in großen Größen. Und es gibt dort eine massive fat-acceptance-Bewegung. Die Welle der political correctness schwappt mal wieder über und hat jetzt die Dicken erwischt. Oder eher andersrum: die Dicken wollen nicht als dick angesehen werden bzw man soll Dicksein für normal halten.

Ich sehe so etwas ein bisschen zwiespältig.
Klar ist es auf den ersten Blick toll, wenn das fette Leben erleichtert wird.
Ich weiß bloß nicht, ob das immer so sinnvoll ist.
Wenn man mit einem E-Rolli im Einkaufszentrum herumkurven kann, mag das für stark Übergewichtige einfacher sein, aber mehr Bewegung bedeutet das nicht grade. Im Gegenteil, nicht genutzte Muskeln verkümmern.
Dass massives Übergewicht ganz einfach ungesund ist, sollte sich herumgesprochen haben. Klar gibt es gesunde Dicke. Es gibt auch gesunde Raucher und Helmut Schmidt  wurde über 90, aber er war eine Ausnahme - so oder so.

Wer von uns hätte mit dem Abnehmen angefangen, wenn er keinen Leidensdruck verspürt hätte?
Und den hätte er nicht verspürt, wenn Dicksein völlig akzeptiert wäre.

Es ist wie mit dem Fat-shaming. Mir würde nie in den Sinn kommen, jemanden wegen seiner Figur oder sonstiger Äußerlichkeiten blöd anzumachen (ich finde es immer ein bisschen amüsant, wenn Männer, die selbst kein Adonis sind, über dicke Frauen herziehen. Oder umgekehrt. Man möchte fragen, ob denn kein Spiegel in Reichweite ist).
Wir kennen es ja wahrscheinlich alle - die blöden Sprüche und Abwertungen usw.

Aber auch hier komme ich wieder auf den Leidensdruck. Der muss nicht nur körperlich stattfinden (Knieprobleme, Luftnot, allgemeine Unbeweglichkeit... kennt ihr ja auch alle), man kann ja auch mal irgendwann die blöden Blicke und Kommentare leid sein und sich sagen "So. Das will ich nicht mehr. Ich ändere jetzt was!".
Irgendeinen Ansporn haben wir alle gehabt und ich glaube nicht, dass wir diesen Moment gefunden hätten, wenn unsere Umwelt uns immer signalisiert hätte: Alles ok mit dir.

Mein Fazit: fat-shaming: nein, fat-acceptance: auch nein!
Ich zwinge niemanden, in einen Spiegel zu schauen. Aber ich verhänge den Spiegel auch nicht, nur damit niemand hineinsehen muss.






Kommentare:

  1. Genau so sieht es aus!
    Niemand sollte für sein Aussehen verurteilt werden - aber es sollte auch nichts, was definitiv ungesund ist, glorifiziert und mit dem "so schlimm ist das doch nicht. Fett ist total schön!"-Schleifchen verziert werden.

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    1. Jep. Genauso habe ich das gemeint ;)

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